Quelle: --->>> Die Presse <<<---
Stand: 11.11.2009 | 18:31 |
Schweinegrippe: Mehr Kranke, mehr Impfungen
Die Zahl nachgewiesener Infektionen ist um mehr als 50 Prozent gestiegen. 24 Kindergärten und Schulen bleiben wegen der H1N1-Pandemie geschlossen.
WIEN. Die Neue-Grippe-Welle hat Österreich fest im Griff: Innerhalb von fünf Tagen stieg die Zahl der im Labor nachgewiesenen Infektionen von 761 auf 1159 um mehr als 50 Prozent. Allein am Dienstag wurden 195 Neuerkrankungen registriert.
Die Zahl der Erkrankten dürfte allerdings etwa zehnmal darüber liegen. Wie berichtet, hat die Pandemie eine neue Stufe erreicht: Laborprüfungen gibt es nur noch bei komplizierten Krankheitsverläufen oder wenn Verdachtsfälle in Schulen und Kindergärten abgeklärt werden.
Weitere Klassen geschlossen
In den pädagogischen Einrichtungen sorgt das Virus weiterhin für Ausnahmezustand: Zu den bereits geschlossen Schulen in Salzburg und Wien kamen neue Sperren.
In ganz Österreich bleiben mindestens 24 Kindergärten und Schulen bzw. einzelne Klassen für mehrere Tage leer. Betroffen ist vor allem Tirol, in dem bisher zehn Einrichtungen zu Schließungsmaßnahmen griffen.
Auch die Apotheker bekommen die Auswirkungen der Grippewelle zu spüren: der Beratungsaufwand sei nun besonders hoch, erklärt die Sprecherin der Apothekerkammer im Gespräch mit der „Presse“. Auch Desinfektionsmittel werden nun vermehrt gekauft. Bei Grippemasken entspreche die Nachfrage allerdings „normalen“ Grippezeiten. Um die weitere Verbreitung einzudämmen, appellierten gestern auch Experten der MedUni Wien an die Bevölkerung, sich immunisieren zu lassen. Auch Ärzte, sind aufgerufen, sich impfen zu lassen, um ihre Patienten vor Ansteckung zu schützen. Die ohnehin unerwartet große Nachfrage der Bevölkerung hat indes zu einer Neuorganisation der Impfstraßen geführt: unter anderem in Oberösterreich, wo der Präsident der Ärztekammer, Peter Niedermoser, die Einbindung der praktischen Ärzte in die Impfaktion gefordert hat. Als Grund nannte er, dass die Impfstellen „heillos überfordert“ seien. Ausgeweitet wurde die Impfmöglichkeit für Kinder in Wien: Ab sofort können in Wien auch Kinder ab sechs Jahren in den fünf Impfstellen der Gebietskrankenkasse immunisiert werden– bisher wurde die Injektion dort nur Jugendlichen ab dem 15. Lebensjahr verabreicht. In Villach hat ein zusätzliches Impfteam die Arbeit aufgenommen. In den Intensivstationen steigt die Zahl der Schweinegrippepatienten: Bis Redaktionsschluss waren österreichweit sechs wegen Komplikationen nach einer H1N1-Ansteckung auf Intensivstationen. Neben den drei Fällen in Salzburg wird ein Südtiroler in Innsbruck intensivmedizinisch versorgt. In Wien gibt es bei einer 28-Jährigen und einer 18-Jährigen einen schweren Krankheitsverlauf.